Abschied von.....
Michael Borg. Er blickt auf fünfeinhalb Jahre zurück, in denen er in Tübingen eine neue Forschungsrichtung aufgebaut hat – und darauf, seine Algen mit nach Kiel zu nehmen.
Im Rahmen unserer Abschiedsreihe haben wir mit Forschungsgruppenleiter Michael Borg über seine Zeit am Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen und sein nächstes Kapitel an der Universität Kiel gesprochen.
Michael kam 2021 an die neu gegründete Abteilung für Entwicklung und Evolution der Algen und tauchte damit in die Welt der Meeresalgen ein, während sich die Abteilung selbst noch im Aufbau befand. Seitdem haben er und sein Team ein neues Forschungsgebiet rund um Rotalgen erschlossen und dazu beigetragen, Bostrychia als Modellorganismus zu etablieren.
Nun zieht es Mike und seine Gruppe in den Norden nach Kiel. Dort wird er eine Professur übernehmen und eine Abteilung mit dem Schwerpunkt Entwicklung und Physiologie von Makroalgen leiten – passenderweise in deutlich größerer Nähe zum Meer. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie es ist, vom „Algenfieber“ gepackt zu werden, und über die Menschen, die seine Zeit in Tübingen so besonders gemacht haben.
Wie lange bist du schon am Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen und was hat dich ursprünglich hierhergebracht?
Ich kam im März 2021 ans MPI für Biologie. Nach meinem Postdoc in Wien wollte ich meine eigene Forschungsgruppe gründen. Etwa zu dieser Zeit erfuhr ich, dass hier in Tübingen eine neue Abteilung aufgebaut werden sollte. Nachdem ich Susana, die Direktorin der Abteilung, kontaktiert und mit ihr gesprochen hatte, war mein Interesse an der faszinierenden Welt der Meeresalgen geweckt, und ich kam als Forschungsgruppenleiter ans Institut.
Als ich hier anfing, befand sich die Abteilung noch im Aufbau und die Labore wurden noch renoviert. Rückblickend bin ich froh, in dieser prägenden Phase Teil der Abteilung geworden zu sein. So konnte ich zu ihrer Entwicklung beitragen und gleichzeitig den Übergang in die Algenbiologie meistern, indem ich meine bisherige Expertise in laufende Projekte einbrachte. Zugleich hatte ich die Freiheit, eine eigene neue Forschungsrichtung aufzubauen.
Worauf bist du besonders stolz, wenn du auf deine Zeit hier zurückblickst?
Am stolzesten bin ich auf den neuen Forschungsweg, den ich im Bereich der Rotalgen eingeschlagen habe, und auf unsere Arbeit, Bostrychia als Modellorganismus zu etablieren. Als ich anfing, war ich noch ein Neuling in der Phykologie. Doch in den vergangenen fünfeinhalb Jahren haben wir unglaublich viel über die Arbeit mit diesem System gelernt und dabei viele neue und spannende Forschungsfragen entdeckt.
Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem Bostrychia zum ersten Mal hier in Tübingen ankam. Ich war begeistert, sie endlich mit eigenen Augen zu sehen. Ich bin Prof. John West sehr dankbar, dass er sie uns geschickt hat. John ist ein renommierter Rotalgen-Taxonom, der einen großen Teil seiner Karriere dem Aufbau und der Pflege seiner bemerkenswerten Algensammlung gewidmet hat – bis weit in seine Achtziger hinein. Forschern wie ihm und Generationen von Phykologen, deren Arbeit den Grundstein für unsere gelegt hat, ist es zu verdanken, dass wir Rotalgen heute auf diese Weise erforschen können.
Diese Zeit war bislang die wissenschaftlich anregendste Phase meiner Karriere, und ich freue mich darauf, das Forschungsfeld in den kommenden Jahren weiter voranzubringen.
Wie geht es für dich weiter – wohin zieht es dich und woran wirst du arbeiten?
Meine Gruppe wird nach Kiel ziehen, einer Hafenstadt im Norden Deutschlands. Dort werde ich eine Professur an der Universität Kiel übernehmen und eine Abteilung mit dem Schwerpunkt Entwicklung und Physiologie von Makroalgen leiten. Kiel entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Standort für Meeres-, Evolutions- und Pflanzenbiologie – wir werden dort also bestens hinpassen. Und da die Küste ganz in der Nähe ist, wird es schön sein, die Algen auch in ihrem natürlichen Lebensraum direkt vor der Haustür zu haben!
Natürlich werden wir unsere Arbeit an Bostrychia und anderen Rotalgen fortsetzen. Vielleicht werden wir uns auch wieder mit Arabidopsis beschäftigen – dort habe ich noch einige unvollendete Projekte. Außerdem werde ich neue Lehraufgaben in Entwicklungsbiologie und Pflanzenphysiologie übernehmen. Dabei möchte ich die Lehrveranstaltungen um neue Perspektiven bereichern, die sich aus der Forschung an Modellorganismen der Braun-, Rot- und Grünalgen ergeben.
Wie würdest du die Forschungskultur oder die Atmosphäre hier beschreiben?
Die Forschungskultur in unserer Abteilung war ausgesprochen anregend. Alle, die zu uns gekommen sind, wurden vom Algenfieber gepackt, und diese Begeisterung war sowohl in ihrer eigenen Arbeit als auch in der gesamten Abteilung spürbar. Auf unsere Lab Meetings konnte man sich immer freuen: Es gab viele Fragen und lebhafte Diskussionen in der ganzen Gruppe. Besonders schön war es auch, jüngere Forschende zu betreuen und mitzuerleben, wie sie sich zu selbstständigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickeln. Ich bin sicher, dass ihnen eine großartige Zukunft bevorsteht.
Was wirst du am MPI für Biologie am meisten vermissen?
Ich werde den täglichen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen in unserer Abteilung vermissen. Ich bin sehr dankbar, dass ich hier arbeiten und mit hervorragender Ausstattung und Infrastruktur Spitzenforschung betreiben konnte. Vermissen werde ich auch die vielen Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich oft Mittagspausen und Kaffeepausen verbracht habe – sie wissen, wer gemeint ist.
Meinem Team bin ich außerordentlich dankbar und ich bin sehr stolz auf uns. Wir waren eine kleine Gruppe, haben aber immer wieder mehr erreicht, als man angesichts unserer Größe vielleicht erwartet hätte. Jedes einzelne Teammitglied hat einen wesentlichen Beitrag zu dem geleistet, was wir während unserer Zeit hier erreicht haben.
Ich werde auch die vielen stillen Heldinnen und Helden vermissen, die dafür sorgen, dass dieses Institut läuft: Heike, Agnes, Fabian und seit Kurzem Rita, die dafür gesorgt haben, dass in der Abteilung alles reibungslos funktioniert. Remy und sein Team haben eine erstklassige Kultursammlung betreut, während das Research Support Team viel dafür getan hat, die vielfältigen Bereiche unseres Instituts zusammenzubringen.
Auch die Mitarbeiter der Gärtnerei und des Außengeländes werde ich vermissen. Sie sind immer gut gelaunt und für einen Witz zu haben – selbst wenn ich wegen ihres ausgeprägten schwäbischen Dialekts nur die Hälfte davon verstanden habe. Das IT-Team bleibt oft unbemerkt, gerade weil die IT-Infrastruktur so reibungslos funktioniert. Und dank der Unterstützung durch das Genome Center, die Microscopy Facility und das HPC-Team konnten wir uns ganz auf die Wissenschaft konzentrieren.
Kaffee oder Tee beim Schreiben von Publikationen?
Ganz klar Tee. Yorkshire Tea, genau richtig aufgebrüht und mit einem großzügigen Schuss Hafermilch.













