Kelsey Huus zum ‚Assistant Professor‘ an der University of Ottawa ernannt

Nach mehr als fünf Jahren am Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen verlässt die Postdoktorandin Dr. Kelsey Huus das Institut, um eine neue Stelle als Assistant Professor an der University of Ottawa in Kanada anzutreten.

22. Mai 2026

Kurz vor ihrem Wechsel nach Kanada haben wir mit ihr über ihre Zeit in Tübingen, die Herausforderungen und Erfolge ihrer Forschung sowie die nächsten Schritte in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn gesprochen.

Der Schritt an das Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen Anfang 2021 war für Kelsey Huus ein echtes Abenteuer – und das mitten in der Pandemie. „Ich war vorher noch nie in Deutschland gewesen, und alle Bewerbungsgespräche fanden per Zoom aus Kanada statt“, erzählt sie. Der Umzug nach Tübingen während des Lockdowns sei deshalb „eine ziemlich einschneidende Entscheidung“ gewesen, verbunden mit viel Unsicherheit, aber auch großer Vorfreude.

Die ersten zwei Wochen verbrachte sie allein in Quarantäne in einer Zwischenmiete. „Ich habe versucht, Tübingen durchs Fenster kennenzulernen“, erinnert sie sich. Als sie schließlich das erste Mal ihren Nachbarn begegnete, merkte sie schnell, dass ihr zuvor gelerntes Deutsch im Alltag nur bedingt weiterhalf. „Mir wurde sofort klar, dass mein kleines bisschen Deutsch völlig unzureichend war.“ Trotzdem sei sie „nervös, aber voller Erwartungen“ angekommen.

Besonders begeistert habe sie die Atmosphäre in der Ley-Abteilung und die Zusammenarbeit mit Ruth Ley. „Das Team und Ruth selbst haben einfach eine unglaubliche Energie“, sagt sie. „Ich habe die Forschung hier von Anfang an sehr bewundert.“ Ausschlaggebend sei für sie außerdem die Möglichkeit gewesen, eine eigene Humanstudie aufzubauen – genau die Art von Forschung, die sie schon lange machen wollte.

Aus dieser Idee entstand schließlich die µHEAT-Studie („Microbial-Human Ecology and Temperature“). Ziel des Projekts war es herauszufinden, warum manche Menschen nach Impfungen stärkere fieber- oder grippeähnliche Symptome entwickeln als andere. Gerade während der COVID-19-Pandemie war diese Frage besonders relevant, da Impfreaktionen häufig diskutiert wurden und Unsicherheit rund um mögliche Nebenwirkungen weit verbreitet war.

„Es war eine stressige und durchaus riskante Phase meines Postdocs“, sagt Kelsey rückblickend. Denn die Studie musste innerhalb kurzer Zeit geplant, genehmigt und umgesetzt werden, bevor die großen Impfkampagnen endeten. Unterstützt wurde sie dabei nicht nur von Ruth Ley, sondern auch von zahlreichen klinischen Partnern, darunter Meral Esen und ihr Team am Institut für Tropenmedizin in Tübingen. „Am Ende haben wir es tatsächlich geschafft“, sagt sie. Bereits im Frühjahr 2022 nahmen fast 200 Personen an der Studie teil.

Die Forschenden kombinierten Temperaturmessungen, Blutanalysen und Untersuchungen des Darmmikrobioms. Besonders spannend war für sie die Möglichkeit, direkt mit menschlichen Probandinnen und Probanden zu arbeiten und gleichzeitig molekulare Mechanismen zu untersuchen. „Wir konnten eine völlig neue Kohorte aufbauen, Phänotypen beim Menschen beobachten und diese anschließend experimentell erklären“, sagt sie. Genau diese Verbindung zwischen Humanstudien und Mikrobiomforschung habe ihre Arbeit in Tübingen so besonders gemacht.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie war, dass stark verarbeitete und fettreiche Ernährung bestimmte Darmmikroben beeinflussen kann, die wiederum Entzündungsreaktionen nach Impfungen verstärken. „Ich finde es bis heute erstaunlich, dass sich unsere ursprüngliche Hypothese tatsächlich bestätigt hat“, sagt sie. Langfristig könnten solche Erkenntnisse dazu beitragen, Impfnebenwirkungen besser zu verstehen und möglicherweise sogar gezielt zu reduzieren.

Neben der Forschung seien es vor allem die Menschen, die ihr in Erinnerung bleiben werden. „Ich werde meine wunderbaren Kolleginnen und Kollegen in der Ley-Abteilung unglaublich vermissen“, sagt sie. „Es ist wirklich die unterstützendste Gruppe von Menschen, die man sich vorstellen kann.“

Auch das Leben in Tübingen und Europa insgesamt habe sie geprägt. „Ich werde die Atmosphäre hier vermissen – die Kopfsteinpflasterstraßen der Altstadt, die bunten Häuser und die Möglichkeit, einfach in den Zug zu steigen und einen neuen Ort zu entdecken“, erzählt sie. „Die Geschichte, die Kultur, das Essen, die Sprache – ich könnte ewig weitererzählen.“

Im Juli 2026 beginnt nun ihr nächstes Kapitel: Als Assistant Professor an der University of Ottawa wird sie ihr eigenes Huus Lab aufbauen. Dort möchte sie weiter erforschen, wie Ernährung und Mikrobiom entzündliche Prozesse beeinflussen – sowohl bei Impfreaktionen als auch bei chronischen Erkrankungen.

„Diese Stelle ist wirklich mein absoluter Traumjob“, sagt sie. Wissenschaftlich biete Ottawa ideale Bedingungen für interdisziplinäre Zusammenarbeit und Ernährungsforschung. Gleichzeitig bedeutet die Rückkehr nach Kanada auch persönlich viel für sie: „Ottawa ist meine Heimatstadt. Ich freue mich unglaublich darauf, wieder näher bei meiner Familie zu sein.“

Rückblickend habe die Zeit in Tübingen sie wissenschaftlich wie persönlich geprägt. Der Umzug in ein neues Land während einer Pandemie, der Aufbau einer großen Humanstudie und die enge Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichsten Bereichen hätten sie nachhaltig beeinflusst. „Ich hoffe sehr, dass ich irgendwann einen guten Grund habe, zurückzukommen und alle wiederzusehen.“

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