Abschied von….
Thorsten Langner. Er blickt auf seine Zeit am Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen zurück und auf das nächste Kapitel seiner Forschung in den Pflanzenwissenschaften.
Im Rahmen unserer Abschiedsreihe haben wir mit ERC-Gruppenleiter Thorsten Langner über seine Zeit am Institut und seinen kürzlichen Wechsel an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) gesprochen, wo er nun die Abteilung für Phytopathologie und Pflanzenschutz leitet.
Wie lange warst du am Max-Planck-Institut für Biologie und was hat dich ursprünglich hierhergeführt?
Ich habe meine Gruppe im Sommer 2023 hier gestartet, und unsere Forschung nahm 2024 richtig Fahrt auf, als die ersten Mitglieder – der Postdoc Wagner Fagundes und der Doktorand Yu-Seng Huang – zu meiner Gruppe kamen.
Meine Entscheidung, an das Institut zu kommen, begann mit einer sehr pragmatischen Wahl, die ich während meiner Postdoc-Zeit bei Sophien Kamoun am Sainsbury Laboratory (TSL) in Norwich, UK, treffen musste. Ich hatte gerade einen ERC Starting Grant erhalten. Da das Vereinigte Königreich das EU-Horizon-Programm verlassen hatte, musste ich entscheiden, ob ich bleibe und zu einem UKRI-Grant wechsle – und damit internationale Mobilität verliere – oder innerhalb Europas umziehe. Ich entschied mich für Letzteres und begann, Möglichkeiten in Deutschland zu erkunden.
Tübingen stach sofort hervor. Der starke Fokus auf Pflanzenwissenschaften, Pflanzen-Mikroben-Interaktionen und Evolutionsbiologie passte perfekt zu meiner Forschung. Das Max-Planck-Institut bot ein herausragendes, multidisziplinäres Umfeld, das es uns ermöglichte, die Gruppe sehr reibungslos aufzubauen.
Besonders möchte ich mich bei Detlef (Weigel) bedanken, der das Potenzial unserer Forschung erkannt und uns in seine Abteilung aufgenommen hat. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich sein Angebot erhielt, als ich nach meinem Besuch in Tübingen auf dem Weg nach Köln war. Ich war sehr überrascht, so schnell ein Angebot zu bekommen. Detlef hat uns großartig unterstützt und mir ermöglicht, meine Gruppe in seine Abteilung zu integrieren – dafür bin ich ihm sehr dankbar!
Worauf bist du in deiner Zeit hier am meisten stolz?
Ich bin sehr stolz auf mein Team! Wir haben eine wirklich internationale und kollaborative Gruppe großartiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufgebaut – insgesamt neun Personen aus sieben Nationen auf dem Höhepunkt. Es macht mich sehr glücklich zu sehen, wie diese jungen Forschenden mit sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergründen nicht nur gut zusammenarbeiten, sondern auch Freundschaften schließen und als Team perfekt zusammenwirken.
Seit unserem Start haben wir wichtige Fortschritte in mehreren Projekten erzielt, die Fragen von der grundlegenden Genom-Evolution über die molekulare Evolution von Virulenz-Effektoren bis hin zum Bioengineering pflanzlicher Immunrezeptoren behandeln. Außerdem haben wir begonnen, die experimentelle Evolution des Reisbrandpilzes zu untersuchen, um neue Einblicke in Genomdynamiken – insbesondere Mini-Chromosomen – und Anpassungen an Stressbedingungen zu gewinnen.
Im Rahmen dieser Arbeiten haben wir eine Population von rund 1.600 Proben aufgebaut, und wir beobachten bereits interessante phänotypische Veränderungen. Ich bin sehr gespannt auf dieses Projekt und freue mich besonders für meine herausragende Postdoktorandin Dr. Lucia Gomez Gil, die kürzlich ein Marie-Curie-Stipendium zur Weiterführung dieses Projekts erhalten hat.
Wie würdest du die Forschungskultur bzw. die Atmosphäre hier beschreiben? Gab es Personen oder Strukturen, die deine Arbeit besonders unterstützt oder inspiriert haben?
Ein prägendes Merkmal des Instituts ist die Dynamik, mit der man Forschung betreiben kann. Wenn man eine interessante Idee für ein Experiment oder Projekt hat, ermöglicht die Kultur des Instituts, schnell zu handeln und diese Ideen umzusetzen. Dieser dynamische und neugiergetriebene Ansatz ist sehr motivierend und inspirierend und erlaubt es Forschenden – von Promovierenden über Postdocs bis hin zu Gruppenleitenden – aus ihren Ideen konkrete Projekte zu entwickeln.
Persönlich möchte ich vielen Menschen danken, die uns auf diesem Weg unterstützt haben. Allen voran Detlef Weigel, der uns Raum in seiner Abteilung gegeben und hervorragende Bedingungen für den Start unserer Gruppe geschaffen hat. Teil der Abteilung für Molekularbiologie zu sein, war sehr bereichernd und hat wertvollen Austausch und Zusammenarbeit ermöglicht.
Ich möchte mich auch bei Rebecca Schwab bedanken, die uns in vielen Phasen unterstützt hat und eine großartige Vermittlerin war. Sie hatte immer ein offenes Ohr, bot praktische Hilfe und wertvolle Hinweise zur Orientierung im Institut und half uns sogar bei der Organisation unserer Feldprobenahmen.
Darüber hinaus bin ich dem hervorragenden technischen Personal in Abteilung 6 sowie unserer Labor-Managerin Tina dankbar, die uns unzählige Male unterstützt haben. Und schließlich ein großes Dankeschön an all die großartigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie das unterstützende Personal am Institut für die offene und inspirierende Arbeitsatmosphäre.
Wie geht es für dich weiter – wohin wechselst du und woran wirst du arbeiten?
Meine Gruppe zieht an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), wo ich die Abteilung für Phytopathologie und Pflanzenschutz am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften leiten werde.
Unsere Forschung wird weiterhin an der Schnittstelle zwischen Grundlagen- und angewandter Wissenschaft angesiedelt sein und sich auf drei Hauptthemen konzentrieren: Genom-Evolution und Mini-Chromosomen-Dynamik, die molekulare Evolution von Virulenz-Effektoren sowie pflanzliche Immunität.
Sowohl für unsere Gruppe als auch für die Pflanzenwissenschaften insgesamt bietet die MLU und die Region großes Potenzial. Neu etablierte Forschungsverbünde wie der SFB SNP2Prot, der die phänotypischen Konsequenzen genomischer Variation auf strukturelle und funktionelle Proteoform-Diversität untersucht, sowie neue Infrastrukturen wie Proteinproduktion und Pflanzen-Transformation eröffnen spannende interdisziplinäre Synergien.
Die Region bietet zudem hervorragende Möglichkeiten für Zusammenarbeit mit führenden Einrichtungen, darunter das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB), das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), das Julius Kühn-Institut (JKI) und das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDIV).
Die Arbeit an weltweit führenden Forschungseinrichtungen – zunächst als Postdoc am TSL und später als junger Gruppenleiter am Max-Planck-Institut – hat meine Herangehensweise an Wissenschaft stark geprägt. Sie hat mich dazu ermutigt, breit zu denken und unterschiedliche Disziplinen und Methoden zu integrieren – von Evolutionsbiologie und Genetik über populationsbasierte Genomik bis hin zu angewandten Aspekten wie Bioengineering und Genomeditierung. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie Pflanzenpathogene Krankheiten verursachen und wie wir zu einer nachhaltigen Sicherung der Nahrungsmittelproduktion beitragen können. Ich hoffe, dass meine Expertise und die hervorragende Arbeit meines Teams zu den spannenden Entwicklungen in den Pflanzenwissenschaften an der MLU beitragen werden.
Gibt es ein besonderes Highlight oder einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ein Highlight war für mich definitiv der Aufbau meiner Gruppe – ein großartiges Team von Grund auf. Ich war beeindruckt von der Qualität der Bewerbungen, die wir erhalten haben. Von Praktikantinnen und Praktikanten über Master- und Promotionsstudierende bis hin zu Postdocs konnten wir hervorragende Forschende gewinnen. Es ist sehr erfüllend zu sehen, wie so viele talentierte Forschende zusammenkommen und so gut zusammenarbeitem.
Ein weiteres Highlight waren unsere Probenahmereisen nach Norditalien, eine der wichtigsten Reis-Anbauregionen und zugleich Lebensraum unseres Modellorganismus, des Reisbrandpilzes Magnaporthe (syn. Pyricularia) oryzae in Europa. Neben ihrem wissenschaftlichen Wert sind diese Exkursionen eine großartige Gelegenheit, das Team außerhalb des Labors kennenzulernen und unser Modellsystem sowie seine verheerenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft unter realen Bedingungen zu erleben. Außerdem bieten sie eine sehr praktische Möglichkeit, die Ökologie des Pilzes und die Vielfalt der Wirtspflanzenpopulationen kennenzulernen.
Was ist eine überraschende oder unterhaltsame Tatsache aus deinem Forschungsgebiet?
Eine unterhaltsame Anekdote ist, dass alles mit einer vagen E-Mail von Sophien Kamoun begann: „Do we have a CHEF gel in Norwich?“
Zu dieser Zeit arbeitete ich an einem Projekt zur molekularen Evolution von Effektoren im Reisbrandpilz. Die E-Mail bezog sich jedoch auf Genomvariation, nachdem wir einen Vortrag über das erste sequenzierte Mini-Chromosom eines Weizen-infizierenden Isolats gehört hatten. Das weckte mein Interesse, da wir gerade selbst Genome sequenziert hatten und ich die Chance sah, großskalige strukturelle Variation zu untersuchen – ein damals wenig erforschtes Gebiet beim Reisbrandpilz.
Also begann ich, nach alten CHEF-Gelelektrophorese-Geräten zu suchen … und der Rest ist Geschichte: Daraus entstand ein neues Projekt zu Mini-Chromosomen, das sich schnell zu einem umfassenden Forschungsprogramm entwickelte.
Meine Botschaft an junge Forschende wäre: Bleiben Sie offen für neue Ideen und Möglichkeiten. Verlassen Sie auch einmal Ihre Komfortzone und probieren Sie neue Methoden aus. Für mich war es eine sehr lohnende Entscheidung, meine Forschung von klassischer Laborbiologie um bioinformatische Ansätze zu erweitern – auch wenn das anfangs eine steile Lernkurve bedeutete.
Und die zweite wichtige Botschaft lautet: Erkennen und nutzen Sie Chancen, wenn sie sich bieten! Man weiß nie, wohin sie führen.

