Wie das Geschlecht bestimmt wird: Neue Max-Planck-Forschungsgruppe untersucht die Evolution der Geschlechtsbestimmung

Qiaowei Pan leitet seit Anfang 2026 die neue Forschungsgruppe „Geschlechtsbestimmung und Entwicklung von Insekten“ am Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen.

14. Januar 2026

Am Anfang des Jahres 2026 ist Qiaowei (Miya) Pan als Max-Planck-Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen. Das Forschungsthema ihrer Gruppe, die Geschlechtsbestimmung, ergänzt das breite Spektrum der wissenschaftlichen Forschung des Instituts.

Jenseits von Geschlechtschromosomen: Andere Wege zur Geschlechtsentwicklung

Ihre Forschungsgruppe untersucht die molekularen Grundlagen und die evolutionären Dynamiken der Geschlechtsbestimmung. Das ist ein Prozess, der bei allen Eukaryoten vorkommt, aber in seinen Mechanismen äußerst unterschiedlich ist. Während sich die meisten Studien bisher auf Organismen mit Geschlechtschromosomen konzentriert haben, bestimmen viele Arten ihr Geschlecht ohne solche Chromosomen. „Wir konzentrieren uns auf diese alternativen Systeme besonders auf die Haplodiploidie. Diese ist unabhängig voneinander in verschiedenen Tiergruppen entstanden “, sagt Miya. „Durch die Untersuchung von haplodiploiden Insekten, wie Ameisen und Bienen, wollen wir verstehen, wie neue Geschlechtsbestimmungssignale entstehen, wie sie mit konservierten Entwicklungswegen interagieren und warum sich die Mechanismen der Geschlechtsbestimmung so häufig im Laufe der Evolution verändern.“

Was Miya besonders fasziniert, ist der auffällige Gegensatz zwischen einem zutiefst konservierten Entwicklungsergebnis, der Entwicklung zu einem männlichen oder weiblichen Organismus, und der unglaublichen Vielfalt der molekularen Mechanismen, die dies bewirken. „Haplodiploide Systeme überraschen uns immer wieder mit völlig neuen Lösungen für dasselbe Entwicklungsproblem “, sagt sie.

Von der Grundlagenforschung zur ökologischen Relevanz

Neben ihrer theoretischen Bedeutung haben diese Systeme auch ökologische und gesellschaftliche Relevanz. Viele Hymenoptera – Ameisen, Bienen und Wespen – sind wichtige Bestäuber, aber auch bekannte Schädlinge oder invasive Arten. Zu verstehen, wie das Geschlecht bei diesen Organismen bestimmt wird, hat Auswirkungen für den Naturschutz, Populationsmanagement und die Bekämpfung invasiver Arten. So verbindet die Forschung grundlegende Fragen der Genregulation und Evolution mit Themen, die für Ökosysteme und die Gesellschaft von Bedeutung sind.

Willkommen im Institut, Miya!

„Wir freuen uns sehr, Miya am Max-Planck-Institut für Biologie in Tübingen begrüßen zu dürfen” sagt Susana Coelho, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Biologie. „Ihre Forschung zur Evolution und zu den molekularen Mechanismen der Geschlechtsbestimmung passt hervorragend zu dem Schwerpunkt unseres Instituts, grundlegende biologische Prozesse zu verstehen. “

Qiaowei (Miya) Pan promovierte in Evolutionsbiologie an der Universität Rennes in Frankreich und forschte als Postdoc in Lausanne und Mainz, bevor sie zum Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen wechselte. Sie freut sich darauf ihre Forschungsgruppe am Institut leiten zu können: „Die Vielfalt der wissenschaftlichen Bereiche, Organismen und Forschungsebenen hier schafft ständig neue Lern- und Inspirationsmöglichkeiten. Gleichzeitig ist die Möglichkeit eng mit anderen Forschenden zusammenarbeiten sehr groß. Ich freue mich darauf, meine Gruppe in einer Umgebung aufzubauen, in der mechanistische, evolutionäre und organismische Perspektiven nebeneinander bestehen und kombiniert werden können, um ehrgeizige Fragen anzugehen."

Zur Redakteursansicht