Ameisen
Ameisen sind bemerkenswerte Organismen, deren komplexes Sozialverhalten sie zu leistungsfähigen Modellsystemen für die biologische Forschung macht. In unserem Labor untersuchen wir die genetischen und molekularen Mechanismen, die bestimmen, ob sich Ameisen als Männchen oder Weibchen entwickeln. Einige Ameisenarten haben ungewöhnliche Fortpflanzungssysteme entwickelt, bei denen Zellen mit unterschiedlichen Genomen oder sogar unterschiedlichen geschlechtlichen Identitäten innerhalb desselben Individuums koexistieren können. Dies eröffnet einzigartige Möglichkeiten zur Untersuchung grundlegender biologischer Prozesse.
Um das Wohlergehen der Kolonien sicherzustellen, werden die Ameisen in eigens entwickelten künstlichen Nestern untergebracht, die sich in klimakontrollierten Räumen befinden. Diese Einrichtungen ermöglichen es den Forschenden, stabile Temperatur-, Feuchtigkeits- und Lichtbedingungen aufrechtzuerhalten, die das natürliche Verhalten der Kolonien unterstützen. Die Nester selbst bleiben – wie in der Natur – dunkel, während die umgebende Umgebung ruhig und konstant gehalten wird.
Alle Ameisenbehälter sind mit sicheren Ausbruchssperren beschichtet, und jede Kolonie ist zusätzlich in einer weiteren Schale untergebracht. Dieses zweistufige Sicherungssystem verhindert unbeabsichtigtes Entweichen und gewährleistet eine sichere Haltung gemäß geltender Sicherheits- und Umweltschutzrichtlinien.
Laborgehaltene Kolonien werden mit einer vielfältigen Nahrung versorgt, die ihren natürlichen Nährstoffanforderungen gerecht wird. Dazu gehören gefriergetötete Insekten wie Stubenfliegen, spezielle Proteingele, Honigwasser sowie gelegentliche Ergänzungen wie Dosen-Thunfisch oder Erdnussbutter.
Diese abwechslungsreiche Ernährung liefert Kohlenhydrate, Proteine und Mikronährstoffe in ähnlichen Anteilen, wie sie Ameisen auch in ihrer natürlichen Umgebung aufnehmen. Frisches Wasser steht jederzeit zur Verfügung.
Für bestimmte molekulare und genomische Untersuchungen werden die Königinnen vorsichtig aus ihren Nestern entnommen, um Ameiseneier zu sammeln. Diese Verfahren folgen etablierten Protokollen, die darauf ausgelegt sind, Stress und Störungen für die Kolonie so gering wie möglich zu halten. Die Ameiseneier werden unter dem Mikroskop äußerst behutsam gehandhabt – häufig mithilfe eines weichen Pinsels ausgerichtet –, um sie für Mikroinjektionen oder andere Analysen vorzubereiten.
Unser Ziel ist es stets, gesunde und gut gedeihende Kolonien zu erhalten und gleichzeitig unser Verständnis der bemerkenswerten biologischen Systeme zu erweitern, die Ameisen im Laufe der Evolution entwickelt haben.


