“Bridging Minds”-Workshop - Brücken zwischen Kontinenten bauen
Wie ein Genomik-Workshop in Simbabwe den Grundstein für ein neues Modell der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd legte
Catarina Lino, Doktorandin am MPI für Biologie in Tübingen, ist Teil der International Max Planck Research School (IMPRS) „From Molecules to Organisms“ und forscht im Rahmen ihrer Doktorarbeit in der Arbeitsgruppe Afrikanische Pflanzengenomik unter der Leitung von Dr. Patience Chatukuta. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung genomischer Ressourcen für wenig erforschte afrikanische Nutzpflanzen – eine Forschung, die sie kürzlich weit jenseits ihrer Laborbank führte.
Im Januar 2025 erhielt Catarina ein begehrtes Stipendium der Max-Planck-Gesellschaft, das es ihr ermöglichte, an die University of Zimbabwe zu reisen und einen siebentägigen praktischen Workshop zur Sequenzierung von Pflanzengenomen mit Hilfe der Oxford-Nanopore-Technologies zu organisieren. Der Workshop fand Mitte November 2025 im Rahmen des Mentorenprogramms ARTEMIS (African Research Talents Experiencing Mentoring in Science) statt. ARTEMIS wurde von der Max-Planck-Gesellschaft ins Leben gerufen und unterstützt afrikanische Nachwuchsforschende durch Mentoring, Finanzierung und internationale Networking-Möglichkeiten, um wissenschaftliche Talente und Zusammenarbeit zu fördern. Der Workshop brachte Studierende und Forschende aus Simbabwe und anderen afrikanische Ländern zusammen und verband dabei modernste Genomik mit Kapazitätsaufbau sowie der Schaffung einer Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit.
In diesem Interview blickt Catarina darauf zurück, wie der Bridging Minds-Workshop zustande kam, was die Teilnehmenden gelernt haben und warum solche Erfahrungen – insbesondere während der Promotionsphase – sowohl wissenschaftlich als auch persönlich transformativ sein können.
Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit zwischen dem MPI für Biologie, dem ARTEMIS-Programm und der University of Zimbabwe?
Die Zusammenarbeit entstand aus dem Horned Melon Genomics and Breeding-Projekt, das von meiner Promotionsbetreuerin Patience Chatukuta initiiert wurde, die die Arbeitsgruppe Afrikanische Pflanzengenomik am Max-Planck-Institut für Biologie in der Abteilung für Molekularbiologie von Direktor Detlef Weigel leitet. Durch dieses Projekt wurden enge Verbindungen zur University of Zimbabwe geknüpft. Später wurden wir auf das ARTEMIS-Programm aufmerksam, das vom Referat für Internationale Beziehungen der Max-Planck-Gesellschaft gefördert wird, und sahen darin sofort eine großartige Gelegenheit, diese Zusammenarbeit weiter zu stärken.
Warum war es für dich persönlich wichtig, an einem Projekt teilzunehmen, das sich auf den Aufbau wissenschaftlicher Kapazitäten in Afrika konzentriert?
Seit Beginn meiner Doktorarbeit war der Aufbau wissenschaftlicher Kapazitäten in afrikanischen Ländern ein wiederkehrendes Thema in unseren Gruppendiskussionen – insbesondere im Zusammenhang mit den anhaltenden strukturellen Ungleichheiten. Wir sprechen oft über strukturelle und ethische Herausforderungen in der internationalen Forschung bezüglich Themen wie z. B. Materialsammlung, Urheberschaft und Entscheidungsgewalt. Durch die Mitarbeit am „Bridging Minds”-Workshop konnte ich aktiv zu einer gerechteren Zusammenarbeit beitragen, was ich sowohl sinnstiftend als auch sehr motivierend fand.
Was waren die Hauptziele des „Bridging Minds”-Workshops und wie wurden sie erreicht?
Es gab zwei Hauptziele: Zum einen die Entwicklung genomischer Ressourcen für wenig erforschte afrikanische Nutzpflanzen zu beschleunigen und zum anderen lokale Forschende in modernsten Genomsequenzierungstechnologien zu schulen – insbesondere mit Oxford-Nanopore-Technologies. Wir kombinierten grundlegende Vorlesungen zur Sequenzierung von Pflanzengenomen mit fortgeschritteneren Schulungen zu Genomassemblierung und -analyse von Gastvortragenden unserer Abteilung sowie praktischen Laborübungen, damit die Teilnehmenden sowohl konzeptionelles Verständnis als auch praktische Erfahrungen sammeln konnten.
Warum wurde die Horngurke als Schwerpunkt des Workshops gewählt?
Cucumis metuliferus, oder Horngurke (engl. horned melon), ist eine wenig erforschte Nutzpflanze. Mit dem Horned Melon Genomics and Breeding-Projekt, das über diesen Workshop hinausgeht, wollen wir verschiedene Horngurken-Akzessionen aus ganz Afrika sequenzieren. Dies wird uns helfen, ihre genetische und phänotypische Vielfalt zu verstehen und letztendlich die Züchtungsbemühungen zur Verbesserung der agronomischen Eigenschaften zu unterstützen. Es ist ein großartiges Forschungssystem, um zu zeigen, wie die Genomik direkt zur lokalen Landwirtschaft beitragen kann.
Wie haben die Teilnehmenden reagiert und wie war die Zusammenarbeit mit Forschenden und Studierenden in Simbabwe?
Wir fühlten uns von allen unglaublich willkommen geheißen – von Dozierenden und Forschenden bis hin zu Doktoranden und Master- und Bachelorstudierenden. Neben lokalen Studierenden waren auch internationale Studierende aus Ländern wie Äthiopien, Nigeria, Benin und der Elfenbeinküste dabei. Das Workshop-Programm wurde gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern vom Fachbereich Pflanzenproduktionswissenschaften und -technologien der University of Zimbabwe entwickelt, um sicherzustellen, dass es auf die spezifischen Bedürfnisse unserer Teilnehmenden zugeschnitten war. Die Vorlesungen kamen sehr gut an, und obwohl die praktischen Übingen auf 15 Teilnehmende beschränkt waren, waren diese sehr daran interessiert, das Gelernte mit anderen zu teilen, wodurch die Reichweite des Workshops erheblich erweitert wurde. Besonders gefallen haben mir die offenen Diskussionen nach den Sitzungen, in denen wir ehrliches Feedback erhielten und das Programm an die Bedürfnisse der Teilnehmenden anpassen konnten. Das beiderseitige Engagement der Universität Simbabwe und der Max-Planck-Gesellschaft zeigt, dass ein ausgewogeneres Modell der Zusammenarbeit, bei dem lokale und internationale Agenden gleichermaßen berücksichtigt werden, sehr effektiv ist. Es fühlte sich wirklich wie eine gemeinsame Anstrengung an.
Welche Auswirkungen erhoffst du dir für die Zukunft von diesem Workshop und wie sehen die nächsten Schritte aus?
Langfristig werden lokale Forschende in Simbabwe sowohl mit den Werkzeugen als auch mit dem Fachwissen ausgestattet, um Projekte zur Sequenzierung von Pflanzengenomen vor Ort durchzuführen, wodurch Kosten und Verzögerungen im Zusammenhang mit der Auslagerung von Arbeiten ins Ausland reduziert werden. Ein logischer nächster Schritt wäre ein Folgeworkshop zu fortgeschrittener Genomanalyse und Bioinformatik, der virtuell abgehalten werden könnte und relativ wenig finanzielle Mittel erfordern würde. Wenn die Ressourcen es zulassen, wäre es großartig, daraus eine wiederkehrende Veranstaltung zu machen. Um auf diesen Fortschritten aufzubauen, bemühen wir uns außerdem um die Finanzierung von Reagenzien, um die Sequenzierungsbemühungen zu skalieren, wobei wir uns speziell auf weniger erforschte einheimische Nutzpflanzenarten konzentrieren. Erfahrungen wie diese haben auch meine Überzeugung vom Wert internationaler Zusammenarbeit bestärkt – und gezeigt, wie bedeutungsvoll solche Gelegenheiten während der Promotionsphase sowohl wissenschaftlich als auch persönlich sein können.




